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Fragst du oder rätst du?

Wenn Menschen Wünsche äußern und sie empfangen, kannst du 2 Menschentypen unterscheiden. Die einen fragen, die anderen (lassen) raten. Wie ist das genau? Stell dir vor, du hast am Freitag einen Arzttermin und musst eigentlich arbeiten. Gehst du nun zu deiner Führungskraft und fragst „Kann ich am Freitagvormittag frei haben?“ oder sagst du „ich habe am Freitagvormittag einen Arzttermin“ und erwartest, dass die andere Person selbst draufkommt, dass sie dir „frei“ geben soll? Im Meeting, sagst du „Es müsste jemand das Protokoll übernehmen“ und siehst dann in die Runde oder fragst du „Wer übernimmt das Protokoll?/ Jens, machst du das Protokoll?“

Der Unterschied zwischen den zwei Typen ist:

Die, die raten (lassen):

    • Machen eher Satzaussagen und erwarten, dass sie als Appell aufgefasst werden.
    • Drücken Missfallen und Aufforderungen mit Körpersprache aus
    • Sagen ungern „Nein“
    • Können Fragen deshalb auch als unhöflich auffassen, weil der andere auch erraten hätte können, dass sie nicht wollen und sie durch die ausgesprochene Bitte zum „Nein“-Sagen zwingt

Die, die fragen/bitten:

    • Sagen, wenn sie etwas wollen bzw. nicht wollen
    • Sind oft nicht empfänglich oder blind für subtile Codes und können deshalb bei „Rate-Personen“ ins Fettnäpfchen treten

 

Zugegebenermaßen ist es im Business schwierig, lange eine Rate-Person zu bleiben. Oft erwarten Teammitglieder und Führungskräfte von anderen, dass sie ihre Wünsche klar äußern und eigene Wünsche werden oft nicht erfüllt, wenn ich sie nicht äußere. Das führt auf lange Sicht dazu, dass Rate-Personen über ihren eigenen Schatten springen und anfangen, Fragen zu stellen.

Mit diesem Beitrag möchte ich zu mehr Verständnis zwischen diesen beiden Kulturen beitragen. Wie kannst du als Frage-Person nun auf Rate-Personen zugehen und andersherum?

Für Frage-Personen: Du machst es deinen Rate-KollegInnen leichter, wenn du ihnen eine einfache Option gibst, „Nein“ zu sagen. Sag im Vorfeld, dass du es ebenfalls akzeptieren wirst, wenn deine Bitte für sie nicht in Ordnung ist. z.B. mit „Hey, ich hab eine Bitte an dich; falls es für dich nicht passt, ist es genauso ok; bitte sag auf jeden Fall Bescheid und ich finde eine Lösung, ok?“ Damit machst du das „Nein“-sagen für sie um einiges weniger unangenehm.

Für Rate-Personen: Du tust deinen Frage-KollegInnen einen großen Gefallen, wenn du ihnen manche Bitten – am Anfang vielleicht ganz wenige und eher unwichtige – direkt stellst. Für sie stellt es weniger eine Schwierigkeit dar, eine Anfrage abzulehnen und sie werden dir deshalb nicht böse sein, wenn du ihnen eine Frage stellst. Damit machst du ihnen die Kommunikation leichter, weil sie weniger Energie investieren müssen, um herauszufinden, was du eigentlich meinst und eigentlich möchtest.

Was sind deine Erfahrungen – bist du eher eine Frage- oder Rate-Person? Wie gehst du mit diesem Kulturunterschied in deinem Umfeld um? Schreib mir deine Ansicht: hier

PS: Wichtig! Es sind noch wenige Plätze in der Online-Vertiefung zu „Schwierige Gespräche meistern – Empathische Kommunikation“ FREI. Wenn du deine zwischenmenschliche Kommunikation ebenfalls verbessern möchtest, den Mut finden möchtest, Probleme anzusprechen und auch in schwierigen Situationen wertschätzend kommunizieren möchtest, dann MELDE DICH AN!

Ich freue mich sehr, wenn du dabei bist!

Liebe Grüße

Deine Karina